Essen und Schlemmen

Veröffentlicht auf von Yvonne

 

Endlich mal wieder ein update meines Blogs. Ich muss mich entschuldigen, in der letzten Zeit war doch recht viel los und es fehlte meist die Zeit etwas zu schreiben oder auch für neue Fotos.


Was war da nur los?

Seit langer Zeit kämpfe ich mit einem "empfindlichen" Magen. Oft musste ich nicht mal 5 Minuten nach dem Essen auf die Toilette... Ein Krampf das ganze. Wir haben die Ernährung umgestellt, geschaut das wir viele "frische" Sachen kochen mit viel Abwechslung. Natürlich hat die Ernährungsumstellung erstmal geholfen, aber es dauerte nicht lange bis sich wieder Probleme zeigten. Letztes Jahr hatte ich mit schlaflosen Nächten zu kämpfen. Oft kam es vor das ich abends ins Bett ging und wach lag. Das Herz schlug kräftig und meist spuckte mir das zuletzt erlebte (meist ein gesehener Film) mit irgendwelchen Szenen im Kopf rum. Ruhe fand man da nicht, man wälzte sich rum und wurde mit dem ständigen Blick zur Uhr immer unruhiger. Die Zeit lief einem davon, schließlich musste man am nächsten Tag wieder Fit sein. Meist so um 1 bis 2 Uhr nachts kam dann ein Kribbeln im ganzen Körper, es wurde einem warm und kalt und endlich konnte man sich in Richtung Toilette auf den Weg machen. Aber es kam nicht immer gleich etwas, das ging so nach und nach. Dann endlich kam auch die Müdigkeit und ich konnte mich noch die lezten paar Stunden schlafen legen.

Der Tag darauf war verständlicherweise umso anstrengender und man wünschte sich sehnlichst ein Bett. Ende letzten Jahres kam diese Art von nächtlicher Beschäftigung leider sehr häufig vor und so langsam war ich am verzweifeln. Ich ging davon aus das es sich um Verstopfungen handelte, meistens konnte ich mich auch nicht daran erinnern wann ich eigentlich zuletzt auf der Toilette war (man merkt sich ja nicht alles). Ich überlegte Krampfhaft was ich denn vielleicht auch an dem Abend schlechtes gegessen hatte... Die Lust aufs Essen verging mir so nach und nach immer mehr.


Endlich eine Erklärung

Nach einer fast komplett wachen Nacht fühlte ich mich nicht instande noch die Arbeit zu besuchen. Ich ging zu meiner neuen Ärztin (Spezialisiert auf Homöopathie und eine gute Zuhörerin) und sie sagte mir spontan das sich das ganze nach einer Lebensmittelallergie anhört.... wow....


Ich konnte nun (auf eigene Kosten) einen Test machen lassen bei dem mein Blut auf über 90 verschiedene Lebensmittel getestet wurde. Ich stellte mich mal auf das schlimmste ein und endlich kam das Ergebnis:

Laut dem Test reagierte ich

  • schwach auf Labkäse und Kaffee

  • deutlich auf Vollei

  • und stark auf Kuhmilch und Ziegenmilch


Wer, wie, was und warum überhaupt?

Zunächst einmal muss man aber erstmal verstehen was so eine Lebensmittelallergie überhaupt ist:

Als Lebensmittel/Nahrungsmittelallergie wird eine Überempfindlichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel bezeichnet. Das ganze ist nicht mit einer Lebensmittelunverträglichkeit gleichzusetzen. Diese Allergie hat die selbe Ursache wie jede andere auch: eine Fehlregulierung und zu heftige Abwehreaktion des Immunsymstens auf eigentlich harmlose Stoffe (eben die oben beschriebenene Lebensmittel). Daher ist der erste Schritt zur Besserung die Vermeidung der Stoffe um das Immunsystem davon erstmal zu "entwöhnen".


Man muss nun noch wissen das es verschiedene Allergietypen gibt. Ich habe eine Typ-III Allergie, das bedeutet die Reaktion kommt bis zu mehreren Stunden später. Bei einer Typ-I-Allergie reagiert man sofort auf das Lebensmittel. Das tükische bei der Typ-III-Allergie ist, dass man durch die verspätung den verursachenden Stoff nicht oder nur sehr schwer rausfinden kann. Das war auch mein großes Problem, ich habe immer nur an das zuletzt gegessene gedacht, aber nicht an mein Mittagessen oder das vom Vortag.

Symptome zu Lebensmittelallergien sind übrigends sehr weit gestreut: Es kann zu Hautreaktionen kommen (auch Neurodermitis kann durch eine Lebensmittelallergie ausgelöst werden), Blähungen, Durchfall, Kopfschmerzen, Bauschmerzen und vieles mehr.

Auch meine allseits bekannte Schniefnase kann mit dieser Lebensmittelallergie zusammenhängen. Und wirklich: wenn ich etwas esse was ich nicht vertrage dann bekomme ich eine feuchte Nase.


Was man hier noch deutlich machen muss: Ich habe keine Lactoseintoleranz, denn das wäre wirklich noch "schön". Bei einer Lactoseintoleranz kommt der Körper mit der Lactose (Milchzucker) nicht klar. Für den Fall bietet der Markt mittlerweile eine Vielzahl an Milchprodukten ohne Lactose an. Bei mir ist hauptsächlich das Milcheiweiß mit allen anderen Bestandteilen das was nicht vertragen wird. Daher bringen mir die Lactosefreien Lebensmittel leider nichts.


Die Konzequenz

Ich muss nun zunächst drei Monate auf Labkäse, Kaffee und Vollei verzichten und sechs Monate auf Kuh- und Ziegenmilch.

Meine Ärztin und auch ich waren erstaunt das es doch nur so wenige Produkte sind die ich nicht vertrage. Die Ernüchterung, dass gerade Ei und Milch eine wahnsinnige Einschränkung bedeutet kam erst viel später.


Der Anfang

Daheim angekommen machte ich mich erst einmal dran die Speisekammer und den Kühlschrank zu durchforsten und zum ersten Mal in meinem Leben fing ich an die Zutaten zu studieren. Ich hatte von dem Labor, welches mein Blut getestet hatte eine Mappe mit Informationen erhalten. Das große Zähneknirschen fing schon mit dem Lesen von diesen Informationen an. So viele Sachen die ich doch gerne gegessen habe mussten nun wegbleiben...


Wichtig war aber ab sofort sich zu merken wie Milch und Ei in den Zutatenlisten noch heißen können. Die Informationsmappe und auch das Internet haben viel geholfen.


Ein Gang durch den Supermarkt.

Für den ersten Wocheneinkauf mit diesen "kleinen" Einschränkungen haben wir uns viel Zeit mitgenommen.

Vor Obst und Gemüse brauche ich mich nicht zu scheuen, dort gibt es keine Probleme. Die fangen nämlich erst in den nächsten Regalen an:


Soßen und Suppen

In vielen Soßen und Suppen ist Milchzucker, Milcheiweiß oder Molkereiprodukte. Die einzigen Suppen die möglich sind, sind klare Suppen wie etwa eine Frühlingssuppe, Rinder- oder Hühnerbrühe. Alle "cremigen" Suppen kann ich gleich vergessen, es ist auch egal ob Dosen- oder Tütensuppe. Bei den Soßen ist es noch schlimmer. Dunkle Tomatensoßen gehen in der Regel, bei allen anderen gibt es wieder große Schwierigkeiten, auch hier wird Milchzucker oder Milcheiweiß in den Zutaten verwendet. Wie bei den Suppen auch sind "helle" Soßen überhaupt nicht machbar.


Frustriert geht es weiter:

Nudeln, Reis und Kartoffelprodukte

Bei den Nudeln habe ich Glück, hier kann ich reine Hartweißengries-Nudeln auswählen. Eiernudeln sind tabu, aber die haben wir glücklicherweise noch nie gegessen. Auch Reis macht keine Probleme. Kartoffelprodukte sind da wieder schwieriger. Theoretisch geht Kartoffelpüree, praktisch braucht man für die Zubereitung aber Milch... Kartoffelklöße und -knödel, hier gehen nur die Thüringischen Halb- und Halbklöße. Alles andere beinhaltet wirder Milchbestandteile.


Fleisch und Fisch

Reines Fleisch ist kein Problem. Sobald Würze mit ins Spiel kommt muss ich schon wieder aufpassen. Kassler beispielsweise beinhaltet Lactose (Milchzucker). Reiner Fisch ist ebenfalls kein Problem. Ich muss nur bei den Fertigprodukten aufpassen.


Tiefkühl- und Fertigprodukte

Alles was paniert wurde geht in der Regel nicht, da die Panade mit Ei festgemacht wird. Alle Produkte mit fertigen Soßen sind ebenfalls meist tabu. Hier gilt es die Zutaten genau zu studieren. Am besten immer mit Handschuhen und Schal an der Tiefkühltruhe


Das alltägliche: Aufschnitt/Wurst und Käse

Käse darf ich gleich wieder vergessen. Streichkäse ebenfalls. Wurst ist so eine Sache, hier muss man wieder ganz genau hinschauen. Viele Produkte beinhalten Milchzucker oder -eiweiß.


Streukäse für Gratins oder Pizza

Hier gibt es für mich nur noch eine Möglichkeit: Die Frischkäsetheke, denn dort bekomme ich einen reinen Schafskäse (Schaf geht, Ziege nicht). Einziges Problem: Käse wird immer mit Lab (Enzym aus dem Rindermagen, wird für die Dicklegung von Milch und somit die Käseherstellung benötigt) hergestellt, auf das ich auch reagiert habe. Aber in der letzten Zeit hatte ich keine Probleme damit. Daher nehme ich weiter den einzigsten Käse der möglich ist.


Butter

Kaum zu glauben, aber auch das war schwierig. Viele Magarinen beinhalten wirklich Milchbestandteile. Also musste ich eine rein pflanzliche suchen.


Brot, Brötchen und Süße Stückchen vom Bäcker

Beim vorherigen Einkauf störte am meisten die Milch in den ganzen Lebensmitteln, jetzt kommt endlich mal das Ei ins Spiel. Da ich kein großes Vertrauen in die Bäckerei-Angestellten habe, die mir ja die Zutaten nennen müssten gehe ich lieber im Real mein Brot kaufen. Dort werden Brötchen, Brot und süße Stücken permanent aufgebacken und abgepackt, zusammen mit einer Zutatenliste.

Daher weiß ich, dass ich die meisten Brote von dort ohne Probleme essen kann. Bei den Brötchen gehen nur die schon aufgebackenen, die die man selber aufbacken kann beinhalten wieder Milcheiweiß.

Am schlimmsten sind die süßen Stückchen beim Bäcker, gerade jetzt zu Fasching grinsen einen die Berliner nur so an. Aber dort habe ich mich schon erkundigt: Zutat: Ei...

Das einzige was ich essen kann sind Brezeln, auf alles andere muss ich verzichten.


Kekse, Kekse und Kekse

Süßigkeiten, Desserts, Kekse, Kuchen... auf die meisten von diesen Leckereien muss ich die nächsten 6 Monate verzichten. Entweder sind Ei oder Milch der Übeltäter (Vollmilch-Schokolade... Butterkekse....Sahnetorte....). Chips, Zartbitterschokolade (ab 50 %) und Gummi-Zeug (Haribo) gehen meistens. Auch habe ich eine einzige Sorte Kekse gefunden die ich essen kann.


Einkaufen sollte ich nun nicht mehr mit dem größten Hunger im Bauch, es ist leider sehr frustrierend. Blöderweise bekommt man auch immer dann Heißhunger auf etwas wenn man es entweder gerade nicht da hat oder wie bei mir es nicht essen darf....

Mittlerweile habe ich einen Blick für die Zutaten bekommen. Ich überfliege nur noch die Bestandteile bis ich an "Ei...." oder "Milch..." hängen bleibe. Wenn dann das Produkt nicht gleich wieder im Regal landet wird nochmal genauer nachgelesen und auch nach den anderen Synonymen geguckt:


Milch kann sich hinter den folgenden Bezeichnungen verbergen:

Lactoglobulin, Protéines de lait, Buttermilch, Joghurt, Casein, hydrolisierte Milch, Vollmilch-, Magermilchpulver, Lactoserum, Lactalbumin, Kondensmilch, Sauerrahm, Cremé fraiche....


Ei kann diese Bezeichnungen haben:

Vollei, Eiklar, Eigelb Albumin, Globulin, Hühnereiweiß, Livestin, Lysozym E1105 und alles mit der Vorsilbe "Ovo..."


Ich werde hier immer mal wieder ein paar Updates zu diesem Thema reinstellen, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen weiter.

Ich kann nur noch eins sagen: Achtet auf eure Körper und die Gesundheit. Es kann so schön sein wenn man ohne Beschwerden und Nachzudenken essen kann!!

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Veröffentlicht in Alltägliches

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P
<br /> Klasse Beitrag. Sehr fundiert und gut geschrieben...mein armes Mädchen. Aber es gibt ja Hoffnung dass wieder in den Griff zu kriegen.<br /> <br /> L.G.<br /> Papa<br /> <br /> <br />
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